Armenische Komitees

 

HINDSCHAK

Die Organisation des Komitees Hindschak (Glockenschlag) wurde von Avedis Nazarbelg, einem russischen Staatsangehörigen armenischer Herkunft aus dem Kauskasus und seiner Frau Maro sowie von anderen Studenten aus dem Gebiet Kaukasus im Jahre 1886 in der Schweiz gegründet. Um die Ideen des Komitees zu verbreiten, wurde wieder unter dem Namen Hindschak eine Zeitung herausgegeben. Die Führer sowie die Mitglieder dieses Komitees waren Armenier, die die russische Staatsangehörigkeit hatten. Dieses Komitee suchte sich als Arbeitsgebiet Ostanatolien aus. Nach einer Weile zog die Zentrale des Komitees von der Schweiz nach London um.

Das Programm der Partei Hindschak ist sozialistisch, marxistisch und zentralistisch. Grundsätzlich sind die Ideen von Karl Marx übernommen worden. Obwohl sich die Mitglieder dieses Komitees sozialdemokratisch nennen, ist das politische Programm des Komitees vielmehr ein kommunistisches Manifest. Das Komitee nahm im Jahre 1890 eine Hauptfiliale in Istanbul sowie weitere Filialen in weiteren türkischen Provinzen in Betrieb. Auf dieser Weise gelang es den Mitgliedern sich zu organisieren und ihre Aktivitäten durchzuführen. Grundsätzliches politisches Ziel dieses Komitees ist die Befreiung der in der Türkei lebenden Armenier von den Türken, die im Iran lebenden Armeniern von Iranern und die in Rußland lebenden Armenier von Russen. Anschließend sollen alle die in diesen Ländern lebenden Kapitalisten vernichtet werden.

DAS PROGRAMM

"Die Arbeiter und produzierende Klasse bilden die Mehrheit der ganzen Menschen. Die Befreiung dieser Klasse von der Ausbeutung der herrschenden und reichen Klasse, die das Kapital besitzen, kann nur dann realisiert werden, wenn die arbeitende bzw. produzierende Klasse die Produktionsinstrumente und -Mittel, den Boden, Fabriken, Bergbau, Förderungsmittel in ihren eigenen Händen halten. Die Unabhängigkeit der produzierenden Klasse bedeutet die Befreiung der ganzen Menschen und der wirtschaftliche Wohlstand.

Um dieses Vorhaben zu realisieren und praktisch durchführen zu können, muss sich die produzierende Klasse in allen zivilisierten Ländern organisieren und ihre unterliegenden politischen Möglichkeiten in Bewegung setzen und zusammen mit den sich anderen Ländern befindenden produzierenden Klassen die kommunistische Revolution unternehmen. Dadurch werden andere Klassen beseitigt bzw. aufgelöst und die produzierende Klasse kann die sozialistische Ordnung gewährleisten. Unter dieser Ordnung kann das Volk seine eigenen Gesetze in Kraft treten lassen und seine Macht zeigen.

(...)

Heutzutage werden die Armenier von Klassen beherrscht und verwaltet, die dem Absolutismus unterliegen. Die Systeme dieser Klassen in Bereichen wie Finanz-, Verwaltungs- und Steuerwesen sind vernichtend für sie. Um sie herum herrscht einerseits die kapitalistische Produktionsart und andererseits wird die alte Wirtschaftsform und Verwaltungsart aufgelöst."

Unter der Einwirkung all dieser Bedingungen ist die Gewährleistung eines sozialistischen Systems, welches die armenischen Sozialdemokraten und andere Armenier umfassen soll, ein sehr weit entfernt liegendes Ziel. Aus diesem Grund sollten alle Tendenzen und Bemühungen einem nahgelegenen Ziel dienen. Dieses nähere Ziel führte zur Gründung der sozialdemokratischen und revolutionären Hindschak Partei der Armenier. Diese näheren Ziele sind die folgenden:

a. Einleitung einer Revolution

b. Vernichtung der herrschenden Klassen der absoluten Regierung

c. Befreiung der Armenier vom Sklaventum

d. Ermächtigung der Armenier, damit sie sich in politische Angelegenheiten einmischen können.

e. Beseitigung der Hindernisse, die die Entwicklungen im kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen stören.

f. Gewährleistung einer Atmosphäre, in der die Arbeiterklasse ihre Wünsche und Neigungen offen zur Sprache bringen kann.

g. Verbesserung der schweren Arbeitsbedingungen.

h. Gewährleistung von politischen Informationen, damit sich die Arbeiterklasse politisch organisieren kann.

i. Erleichterung der Arbeiten des Volkes. Unterstützung des Volkes für die Erreichung der weit entfernt liegenden Ziele.

Entsprechend dieser Ideen sind die nahen Ziele des Hindschak Komitees der Sturtz der absoluten Regierungsform und Klassen, die Umwandlung dieser Regimes zu demokratischen und konstitutionellen Regierungen. Die Hauptforderungen für diese Ziele sind die folgenden:

a. Um das Volk vertreten zu können, werden Wahlen, an denen sich alle Schichten beteiligen, veranstaltet und ein legislatives Parlament gegründet. Dieses Parlament muss über Urteilsrecht in politischen, wirtschaftlichen und allen anderen staatlichen Angelegenheiten verfügen.

b. Den Provinzen ist eine breite Autonomie zu gewährleisten.

c. Dem Volk ist eine bedingungslose Freiheit zu gewährleisten.

d. Das Volk muss das Recht haben, jeden Regierungsbeamten, jedes Dienstleistungspersonal im öffentlichen Bereich, Sicherheitsbeamten sowie Beamten im Bereich der Schulungs- und Justizwesen frei wählen zu können.

e. Ohne Unterschiede in der nationalen und klassischen Herkunft zu machen, muss jedem volljährigen Staatsbürger das Recht gegeben werden, einen Vertreter für die Provinz- und Autonomieregierungen wählen zu können.

f. Alle Staatsbürger müssen vor dem Gesetz ohne Unterschied ihrer Nation oder Religion gleich sein.

g. Es müssen die Rechte auf Pressefreiheit, Meinungsäußerung, Versammlung, Gründung von Vereinen sowie für den Wahlkampf gewährleistet werden.

h. Alle Staatsbürger und ihre Häuser müssen vor Angriffen in Schutz genommen werden.

i. Die Kirchen müssen von der Regierung getrennt werden. Sämtliche religiöse Institutionen und Organisationen müssen ihre Existenz durch Spenden und Unterstützungen der ihnen gebundener Personen weiterführen.

j. Das ganze Volk muss seinen Wehrdienst zur Zeiten des Friedens als Milizsoldat leisten.

k. Es muss eine laizistische Schulpflicht eingeführt werden. Die Regierung muss die Armen unterstützen.

Da sie die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Volkes in sich enthalten, sind die oben genannte politischen Rechte zu erwerben. Ferner sind die unten aufgeführten Bedingungen zu erfüllen.

a. Das gegenwärtige Steuersystem ist abzuschaffen. Anstelle dessen ist ein fortschrittliches Steuersystem einzuführen, dass sich den Zahlungsmöglichkeiten anpasst.

b. Indirekte Steuern müssen aufgehoben werden.

c. Die Dorfbewohner müssen von sämtlichen Schulden befreit werden.

d. Durch die Unterstützung der Regierung und des Volkes sind Landwirtschaftsmaschinen einzuführen. Der Gebrauch dieser Maschinen ist zu lehren. Die Maschinen müssen dem Volk übergeben werden.

e. Unter dem Volk sind landwirtschaftliche Kooperationen zu bilden. Das Ziel dieser Kooperationen muss sich nach der Verwaltung des Verkaufs von landwirtschaftlichem Produkte sowie dem Kauf von Samen, Getreides etc. richten.

f. Für die Förderung und Kontaktaufnahmen sind Mittel zu beschaffen.

g. Die Regierung muss den Arbeitern Hilfe leisten, damit sie nicht ausgebeutet werden. Die Regierung muss zum Schutz der Arbeiter Gesetze verabschieden.

Die Mehrheit der Armenier ist türkische Armenier und sie leben zum grossteil auf türkischen Territorien. Das Anliegen der armenischen Mehrheit wurde mit dem Artikel 61 des Berliner Abkommens sowie der Kraft der anderen internationalen Bedingungen zu einem Recht und wurde von den Grossen europäischen Staaten anerkannt.

Die Unordnung der osmanischen Politik, Finanz und Wirtschaft, die Auflösung des Imperiums, der Untergang, der Bankrott, die Unruhen im Inland sowie die Erschütterung des Staates sowie die Einwirkungen europäischer Länder unterstützten diese Faktoren. Die osmanischen Territorien in Europa wurden systematisch geteilt und von den Regierungen der europäischen Staaten übernommen. Aus diesen Gründen wurde beschlossen, die unten aufgeführten Maßnahmen zu treffen.

a. Die Mitglieder der armenischen Komitees werden sich darum bemühen, die gegenwärtigen Anliegen der Armenier zu verteidigen und zu beenden.

b. Aus diesem Grund wird das Arbeitsgebiet der Revolution die Türkei sein, wo Armenier leben.

c. Da die Zukunft der Armenier von der Zukunft der Osmanen getrennt werden muss, ist die erste Bedingung für das nahe stehendste Ziel der Armenier die armenische Unabhängigkeit.

Der beste Weg für die Annäherung der Armenier an ihr nächstes Ziel ist eine Revolution, welche die Ordnung der türkischen Gebiete auf denen Armenier leben, durcheinanderbringt. Mit einem allgemeinen Aufstand kann man der türkischen Regierung den Krieg erklären. Die Mittel dieser Bestrebungen sind:

a. Propagandaführung unter den Arbeitern und dem Volk unter Verwendung von Publikationen, Büchern und Reden. Verbreitung der revolutionären Ideen der Partei Hindschak. Gründung der revolutionären Organisationen unter dem Volk und die Einleitung von Aufständen.

b. Bestrafung der türkischen Agenten, Kommissare, Spione und Verräter. Anwendung der terroristischen Methoden und Mittel zum Verteidigen der revolutionären Organisationen und zum Verhindern der Bemühungen der Volksfeinde.

c. Um das Volk gegen die Angriffe der Regierungssoldaten und Volksstämme zu verteidigen, wird eine bewaffnete Truppe bereitgestellt und ein Angriffsregiment gebildet. Dieses Angriffsregiment wird als führende Gruppe bei einem eventuellen Aufstand beauftragt.

d. Es wird eine allgemeine revolutionäre Organisation gegründet, die aus vielen miteinander verbundenen Gruppen bestehen und in einer Einheit ihre Taten führen und die gleichen Taktiken durchführen soll. Diese Organisation ist von einer Zentrale aus zu steuern. Alle Mächte und Pflichten der sich in der Türkei befindenden Organisationen unterliegen der Satzung des Hindschak-Komitees, dessen Organisation, Handlungen und Tätigkeiten in einer Verordnung aufgezählt sind.

e. Es werden Zwischenfälle eingeleitet, um einen Aufstand zu provozieren.

f. Die Kriegserklärung bzw. -Führung eines Staates gegenüber der Türkei ist die günstigste Bedingung für den Erfolg eines Aufstandes.

g. Es müssen Bestrebungen geleistet werden, um die auf türkischen Territorien lebenden anderen Minderheiten, die das gleiche Schicksal der Armenier teilen, auf unsere Seite zu ziehen. Zusammen mit diesen Minderheiten sind Kriege gegen den gemeinsamen Feind, und zwar gegen die türkische Regierung zu führen. Das grösste Ziel der Organisation Hindschak ist die Gründung einer Föderation -wie in der Schweiz- mit der Unterstützung der anderen Minderheiten, zur Befreiung von der osmanischen Unterdrückung gegründet.

Das Hindschak-Komitee führte marxistische Propagandaaktivitäten, die der Arbeitsklasse entsprach. Um Unruhungen anzustiften und eine Revolution einzuleiten, haben sich die Jugendlichen, religiöse Führer, Abenteurer und Arbeitlosen sehr viel Mühe gegeben. Sie wollten sich unbedingt dem Komitee anschliessen und sich dort beschäftigen. Die Verwalter des Komitees führten ihre Arbeiten im Sinne der Ideen der Arbeiterklasse durch. Sie beabsichtigten ein armenisches Proletariat zu schaffen. Diese Handlungen und Arbeiten des Komitees sind den Lebensbedingungen der Türkei zufolge, zu nie mehr als eine sozialistische Propaganda geworden. Die vom Hindschak-Komitee unternommener Aufstände wurden von vielen Ländern, vor allem von Rußland unterstützt und ausländische begabte Kämpfer haben sich an solchen Bewegungen beteiligt.

Die unternommenen Taten und Aufstände der Armenier verursachten im Land grosse blutige Ereignisse, die nicht wieder gut gemacht werden können. Um die Organisationen des Hindschak-Komitees zu gründen, kamen in Genf Schimavon aus Tibilisi, S.Danieljan aus Iran, der russische Staatsangehörige Rupen Hanazat aus Trabzon und H.Megavorjan aus Batumi zusammen. Nach langen Diskussionen wurde das Zentrum des Hindschak-Komitees in Istanbul gegründet. Dieser Organisation schlossen sich auch andere in Istanbul vor dem Jahr 1890 gegründete revolutionäre Organisationen an.

Wie aus diesen Feststellungen zu entnehmen ist, wurde das Schicksal der in der Türkei lebenden Armenier in die Hände der russischen Armenier überlassen. Indessen wurden diejenigen, die sich nicht dem Komitee anschlossen und keine finanziellen Unterstützungen leisteten, unterdrückt bzw. ermordet. Die Organisationen haben sich sehr schnell in anatolischen Provinzen verbreitet.

IHRE TÄTIGKEITEN

Die Verordnung und das Programm des Vereins Hindschak wurde im Jahre 1909 in Istanbul gedruckt. Diese Verordnung wurde laut dem Vereinsgesetz dem Innenministerium vorgelegt. Die notwendigen Vorgänge wurden durchgeführt. Am 8. Februar 1909 wurde der Zulassungsbescheid mit der Nummer 90 vom Regierungsbezirk Istanbul ausgehändigt. Diese Verordnung besteht aus fünf Teilen.

Die beschlagnahmten Beschlussbücher des armenischen Hindschak Komitees der Jahre 1910, 1911, 1912 und 1913 enthielten folgende gefasste Beschlüsse:

a. Bemühungen zur Beschaffung von Waffen, Munition und Sprengstoff werden geleistet.

b. Schulungen zum erlernen des Waffengebrauchs werden vorgenommen (Von Marufjan, Javrujan, Candan).

c. Die Propaganda werden beschleunigt.

d. Es werden Kontakte zu den Taschnak-Komitees aufgenommen.

e. Es werden Beziehungen mit den Anhängern der Partei für Einheit und Fortschritt aufgebaut.

f. Es werden Banden im Gebiet Van gegründet und gesteuert (diese sind: Orsfan, Cang, Godschnak, Juradschak, Penchak, Badami, Tejohenk, Maro und Paros)

Das Hindschak Komitee veranstaltete am 24. Juli 1914 seinen dritten Kongress in der Türkei. Bei diesem Kongress, an dem 28 Vertreter von 51 Filialen unter dem Vorsitz von Changüljan und dem Sekretariat von Tanchutjan teilnahmen, wurden folgende Beschlüsse gefasst:

"Unter Berücksichtigung den grossen Verantwortung und den dadurch entstehen könnenden Gefahren und für den Beweis, das wir zivilisierte Menschen sind, liegt der Erfolg unserer Ziele in gut durchdachten Handlungen."

Daraufhin fingen die Mitglieder des Hindschak-Komitees im Jahre 1896 an die Türkei zu verlassen. Unter den Mitgliedern dieser Komitees kamen Konflikte auf und somit wurden Komitees geteilt. Ein Teil nahm den Name "tatsächliche Hindschaks" (Nazarbeg-Anhänger) der andere Teil hingegen den Namen "reformistische Hindschaks" (Veragasmijal Hindschak) an. Diese beiden Gruppen wurden von einer Person namens Erpijar Arpiarjan gesteuert.

Beide Komitees richteten sich nicht nach einem Prinzip bzw. Programm, sondern nach den Ideen und Haltungen ihrer Verwalter. Sie waren auf ihren eignen Vorteil bedacht und haben dies auch verteidigt. Die Konflikte unter diesen Gruppen führten zu Straßenkämpfen. Einige wurden geschlagen sogar getötet.

Das armenische Volk, das begriff, daß die Hindschaks marxistisch gesinnt waren, haben die Ideen der Komiteemitglieder abgelehnt. Die Kämpfe haben im Jahre 1902 an Intensitaet gewonnen. Zahlreiche Komiteemitglieder, die Anhänger der beiden Gruppen waren, wurden in Grossbritannien, Rußland, Ägypten, Bulgarien, Kaukasus und Iran erschossen. Obwohl nach dem Aufstand in Van einige kleine Banden den Namen Hindschak getragen haben, hatten sie keine genügenden Kräfte mehr. Bei der Auflösung des Hindschak-Komitees spielten auch einige Hindschakführer eine grosse Rolle, die das geheime Ziel Rußlands erkannten.

QUELLE: Sakarya, Em.Tümg. (Pensionierte Majorgeneral) Ihsan, Belgelerle Ermeni Sorunu, Genelkurmay Askeri Tarih ve Stratejik Etüt Baskanligi Askeri Tarih Yayinlari (Generalstab, Abteilung für millitärische Geschichte und strategische Untersuchungen), Genelkurmay Basimevi, Ankara, 1984, 2.Baski, S.76-87

Taschnak

Das Taschnak-Komitee, das auch "armenisch revolutionäre Föderation" genannt wird, hat wichtige Rollen beim Aufkommen der Armenier-Frage gespielt. Die Aktivitäten des Komitees wurden nachdem die Kommunisten "die armenische Republik" eroberten, in den USA, Libanon, Iran, Frankreich und Griechenland als Partei im Exil fortgesetzt. Das Taschnak-Komitee, das verschiedenen Aktivitaeten auch in der Gegenwart fortsetzt, besteht aus unterschiedlichen Terroreinheiten und Gruppen.

1. Organisationsstruktur

a. Büro - Das Büro ist das höchste Organ der Organisation. Die Verwaltung der Organisation wird gemäß der Beschlüsse bzw. Anweisungen des "Büros" geleitet. Das wird von einer kollektiven Führergruppe verwaltet. Das Büro besteht aus jeweils einem Mitglied aus Kalifornien, Frankreich und dem Iran und jeweils 5 Mitgliedern aus dem Libanon. Die Mitglieder bestimmen untereinander einen Vorgesetzten. Bis zum Bürgerkrieg in Libonan war das Büro in Libanon. Nachdem Bürgerkrieg wechselte das Büro der Reihe nach in die USA, nach Griechenland und Frankreich um. Man vermutet, daß das heutige Büro seine Handlungen von den USA aus verwaltet. Die Mitglieder, Beschlüsse sowie die Verwaltungsgrundlagen des "Büros" sind geheim. Es ist bekannt, daß der im Iran geborene und in Griechenland lebende Hrair Marukijan den Vorsitz des Büros bis 1985 geführt hat.

b. Zentralkomitee - Es ist das oberste Verwaltungsorgan der Organisation und stellt die Verbindung zwischen dem Büro und den lokalen Gruppen sowie den Organisationen dar. Das Zentralkomitee wird in Gebieten gegründet, auf dem die armenische Bevölkerung zahlreich vorhanden ist. Obwohl es in Libanon und Frankreich je ein "Zentralkomitee" gibt, gibt es in den Vereinigten Staaten zwei "Zentralkomitees" und zwar das "Zentralkomitee der östlichen Gebiete" und das "Zentralkomitee der westlichen Gebiete". An der untersten Stelle dieser Struktur, die einer Pyramide gleicht, befinden sich die lokalen Organisationen und Organe. Diese Organisationen und Organe werden nach verschiedenen "armenischen Themen" genannt. Die wichtigsten unter diesen sind die"armenischen Jugendbund", "Jugendorganisation", "Pfadfinderorganisation der Schüler und Schülerinnen" und "Sport- und Kulturorganisationen".

c. Das Zentralkomitee bzw. die Zentralkomitees haben auch Propaganda- und Presseeinheiten; Komitees für juristische Angelegenheiten, für das Finanzwesen und für das Militär sowie ein "Überwachungskomitee für die armenische Immigration". Diese sind viel mehr Dienstleistungen im Bereich der Auskunft und Technik. Der Titel "armenische revolutionäre Föderation" wurde zum Verbreiten der Propaganda sowie zum Verhindern von Reaktionen unter der westlichen Öffentlichkeit geändert und nahm den Namen "armenisches Nationalkomitee" an, das die politischen Handlungen für Taschnak führt. In verschiedenen Propagandaaktivitäten werden beide Namen genutzt, als ob sie zwei verschiedene Organisationen seien.

2. Ihre Vorhaben und Ziele

Die Organisation Taschnak hat das Ziel, ein nichtkommunistisches Armenien zu gründen und Entschädigung für die Behauptungen nach türkischen Verbrechen an Armeniern zu erhalten. In den Presseorganen des Taschnak werden diese Ziele wie folgend dargelegt: "Wir werden weiterhin auf den Friedensvertrag von Sevres beharren. Dieses Abkommen ist ein Meilenstein unseres Kampfes..."

Das endgültige Ziel der Taschnak kann man mit dem "Vier-T-Plan" zusammenfassen: Bekantmachung der Behauptungen nach einem Völkermord anhand von terroristischen Methoden, die Anerkennung dieser Behauptungen durch die Türkei, Entschädigungszahlungen seitens der Türkei und letztendlich die Rückgabe der den Behauptungen nach von der Türkei besetzten armenischen Gebiete.

3. Ihre Strategien, Vorgehen und Handlungen

Zwar stellt die Organisation Taschnak ihre Strategie in der Form von "Verwirklichung der Ziele auf friedlichen Wege" dar, doch ihre Aktivitäten der vergangenen Jahre zeigen, daß die Taschnak wie eine Terrororganisation gehandelt hat.

Die Terrororganisation "Gerechtigskeitkommandos des armenischen Genozids" wurde von der Taschnak gegründet. Der Name dieser Organisation wurde später als "armenische Revolutionsarmee" geändert. Alle Verbrechen und Bombenanschläge dieser Organisation wurden von der Taschnak geplant. Doch die Terrororganisation der Taschnak unterscheidet sich von der ASALA in einem Punkt. Die ASALA macht bei ihren Anschlägen keine Unterschiede zwischen Türken und anderen Staatsangehörigen. Die Terrorgruppen, die nach den Anweisungen der Taschnak handeln, verfolgen nur ein Ziel, nämlich die Türken bzw. türkische Botschafter.

Nach dem Mord des türkischen Generalkonsuls in Los Angeles im Jahre 1982 erklärte die Terrororganisation "Gerechtigkeitkommandos", ihr einziges Ziel seien die türkische Diplomaten und türkische Institutionen. Die ist der beste Beweis dafür, daß diese Terrorgruppe eine Untergruppe der Organisation Taschnak ist. Die gleiche Erklärung wurde auch Infolge des Angriffs der "armenischen Revolutionsarmee" auf den türkischen Botschafter in Lissabon wiederholt.

Taschnaks haben sich im XIX. Und XX. Jahrhundert mehr nach dem Westen gerichtet und versucht die Öffentlichkeit im Westen zu beeinflussen. Die Organisation Hindschak richtete sich mehr nach Rußland.

Die Strategie der armenischen Terrororganisation wurde infolge der Angriffe auf die türkischen Botschafter folgenderweise dargestellt:

"Es gibt zwei Phasen um das endgültige Ziel dieser Befreiungsbewegung zu erlangen. Die erste Phase ist die Gewährleistung der Unterstützungspunkte. Dies wird "inländische Propaganda" genannt. Die zweite ist die Bekanntmachung im Ausland, d.h. die Sympathie der Welt auf sich zu lenken. Zumindest muß man sich darum bemühen, dass Interesse der Weltöffentlichkeit auf sich zu ziehen. Dies hingegen bedeutet mit anderen Worten " es ist Zeit für die Demonstrationen..."

Die Eigenschaften des Taschnak werden von Varanchijan, dem Historiker der Partei Taschnak, mit folgenden Erklärungen dargestellt:

"Vielleicht hat keine andere revolutionäre Partei -nicht einmal die russische Nazodovoletz und italienische Carbonaries, die sehr viele Erfahrungen in terroristischen Aktionen hatten und die vor nichts zurückhielten- solch respektlose Terroristen wie die Taschnak ausgebildet. Hunderte von bewaffneten Kämpfern waren mit Bomben und Handscharen ausgerüstet und wurden für die Rache ausgebildet..."

4. Die Kongresse in in Wien und München

Während des 22. Kongress der Partei Taschnak, der am 27. Dezember 1981 in Wien veranstaltet wurde, wurden folgende Beschlüsse gefasst;

- Das Ziel der Partei ist die Gründung eines vereinigten und freien Armeniens.

- Andere armenische Organisationen sind durch die Vermittlung von politischen Komitees und der Ausübung von Druck auf die Seite der Taschnak lenken.

- Mit den westlichen Ländern sind engere Beziehungen zu knüpfen.

- Mit sowjetischen Armeniern sind Kontakte aufzubauen. Die armenische Umsiedlung muss gestoppt werden.

An dem Kongress in München im Jahre 1984 nahmen aus 15 Ländern Parteivertreter teil und fassten folgende Beschlüsse;

- Um den armenischen Kampf bekannt zumachen, müssen neue Kampagnen gestartet werden.

- Es müssen verschieden friedliche und legale Wege eingeleitet werden, um eine politische Lösung für den armenischen Kampf zu finden. Zum Beispiel müssen im US-Kongress und der UN-Menschenrechtskommission Kontakte in diesem Thema aufgenommen werden, damit der (angebliche) Völkermord an Armeniern anerkannt wird.

Im Anschluss an den Kongress hieß es in der veröffentlichten Deklaration wie folgend:

"Die Rechte der armenischen Völker müssen mit der Anerkennung des armenischen Völkermordes von Seiten der Türkei gewährleistet werden. Wir werden uns weiterhin für eine Entschädigung der menschlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Verluste und für die erneute Gründung des tausendjährigen armenischen Vaterlandes einsetzen..."

Die Beschlüsse beider Kongresse sind hinsichtlich der Festlegung der Themen, die als Propagandamittel der Taschnak genutzt werden, von Bedeutung.

5. Ihre Unterstützungen und Beziehungen

Die Taschnak wird viel mehr von den USA und europäischen Staaten unterstützt. Ihre Beziehungen basieren möglichst auf keiner Kontaktaufnahme zu den anderen Terrororganisationen. Sie hat zu den verschiedenen Organisationen der genannten Staaten Beziehungen. Ihre hauptsächlichen Unterstützungsquellen sind die Kirchen und der Kirchenbund sowie die "armenischen Lobies" und "die Forschungszentrale".

6. Die politischen Entwicklungen

Bis zu den 70 ger Jahren wurden die Politiken der armenischen Taschnak-Terrororganisation von der Gründung und Unabhängigkeitserlangung der sowjetischen Armenier" festgelegt. Aus diesem Grund wurden die Feindseeligkeiten gegenüber der Sowjetunion vorrangiger. Gegen diejenigen, die sich für die sowjetischen Armenier einsetzen und diese verteidigten, wurde ein grausamer Kampf eingleitet. Der Grund für den Mord an dem Erzbischof der armenischen Cross-Kirsche in New York während einer Weihnachtspredigt von Seiten eines Taschnak-Rebellen, war seine Zustimmung für die Lage im sowjetischen Armenien.

Mit der Auflösung der führenden Ämter und Stellen in der armenischen Republik nach 1970 aufgrund von tot und anderen Ursachen, führten die zu bedeutenden Veränderungen in der Politik der Taschnak. Sie richtete sich nur noch gegen die Türkei und Türken. Im Jahre 1972 wurde die von der Taschnak gegründete und organisierte Terrorgruppe "Gerechtigkeitskommandos des armenischen Genozids" eingesetzt. Die Zeitung Aztag Schapatorjag, das Propagandaorgan der Taschnak, gab mit der Aussage "der letzte Weg und Ausgangspunkt der zeitgenössischen Befreiungskämpfe ist der Terrorismus" die Methode der neuen Periode bekannt.

Doch der Anschlag auf dem türkischen Botschafter in Lissabon brachte der Taschnak kein Ansehen. Obwohl nach diesem Anschlag der Name der Gruppe "Gerechtigkeitskommandos des armenischen Genozids" als "Armenische Revolutionsarmee" geändert wurde, wurde diese Namensänderung kein Retter für die Taschnak. Der Taschnak-Attentäter Susanjan wurde im Jahre 1984 festgenommen und verurteilt. Vor allem dieses Ereignis beeinträchtigte die Politik der Organisation Taschnak. Während dieser Periode verlor die Taschnak die Unterstützung der amerikanisch-stämmigen Armenier. Die Zeitung "Armenien Reporter" berichtete in ihrem Artikel, daß die Taschnak-Partei von Armenier aus dem Libanon und dem Ausland geführt werde und hilflos gegenüber der Mehrheit sei, die den Terrorismus nicht unterstütze.

Der terroristische Flügel wurde geschwächt und es kam zu Konflikten unter den Taschnak Mitglieder, vor allem unter den Verwaltern und Vorsitzenden der "Büros" und "Zentralkomitees". Die Leitung der Organisation hat sich in zwei Gruppen geteilt. Die mächtigen Männer des "Büros", die Vertreter des Zentralkomitees im Libanon sowie die Vorgesetzten wurden in Libanon ermordet oder vermisst. Ende 1985 war nicht mehr die Rede über eine Einheit in der Taschnak.

Zwei Faktoren spielten eine wesentlich grosse Rolle an der angelangten Situation der Taschnak. Der erste Faktor ist die Veröffentlichung der Beziehungen zwischen den Taschnak-Verwaltern und den Geheimdiensten einiger Staaten. Dadurch stellte sich heraus, daß diese Geheimdienste die armenischen Kirchen von einer Hand aus führen wollten. Der zweite Faktor ist der Kampf zwischen der ASALA und Taschnak. Die ASALA-Verwalter verwendete für die Taschnak die Aussage: "Parasiten, die das Blut der Armeiner aussaugen und ihr Leben auslöschen".

7. Ihre Presseorgane

Die Organisation Taschnak wurde durch die armenischen Komitees und Terrororganisationen, die im Bereich der Propaganda sehr viele Erfahrungen hatten, unterstützt. Durch Kommunikationsmitte wie die periodisch bzw. unperiodisch erscheinenden Zeitschriften, gekaufte Radiosendungen, private Radios und Fernseh- und Videofilme etc. erhielten sie die Möglichkeit, ihr Ziele, Bewegung und Politik der Weltöffentlichkeit mitzuteilen. Sehr viele Staaten haben diesbezüglich der Organisation Taschnak unterstützt und der Organisation ihr Interesse entgegenbracht.

Die wichtigsten Presseorgane der Taschnak in den USA waren "Hayrenik" und "Asbarez" sowie die in englisch veröffentlichte "Armenian Weeky".

Obwohl die Anzahl der Mitglieder dieser Organisation begrenzt ist, ist es von Bedeutung, daß sie in Städten wie z.B. Paris, Bukarest, Eriwan und München 22 Weltkonferenzen veranstaltet haben, welche die Propaganda zur Verbreitung der Organisation dienten.

QUELLE: Uras Esat, Tarihte Ermeniler ve Ermeni Meselesi, Belee Yayinlari, Istanbul, 1987, S.432-442.