Das Telegramm, das Talat Pasa zugeschrieben wurde

 

Eine der wichtigsten Behauptungen der Armenier im Zusammenhang mit der Umsiedlung, ist das, Talat Pasa zugeschriebene Telegramm, in dem er die Massakrierung der Armenier befohlen haben soll. Talat Pasa brachte dagegen bei jeder Gelegenheit zur Sprache, daß die gegen die Armenier getroffenen Maßnahmen keinesfalls die Ausrottung der Armenier zum Ziel hatten. Einen offenen Beweis dafür, bildet das chiffrierte Telegramm von Talat Pasa, das er am 29. August 1915 an die Gouverneure und Vorsteher von Hüdavendigar, Ankara, Konza, Izmit, Adana, Maras, Urfa, Aleppo, Zor, Sivas, Kütahya, Karesi, Nigde, Mamuretülaziz, Diyerbekir, Karahisar-i Sahib, Erzurum und Kayseri schickte. Darin hieß es:

"Bei der Umsiedlung der Armenier von ihren bisherigen Lebensorten in neue Gebiete hat die Regierung das Ziel, die Armenier an ihren, gegen die Regierung gerichteten Aktivitäten sowie an ihrem nationalen Vorhaben zur Gründung einer armenischen Regierung zu hindern. Die Vernichtung dieser Menschen kommt nicht in Frage. Außerdem müssen bei der Umsiedlung die Sicherheit der Siedler gewährleistet sowie jegliche Verpflegungskosten aus den staatlichen Ausgaben gedeckt werden. Die Armenier, die nicht umgesiedelt werden, dürfen ihre jeweiligen Orte künftig nicht verlassen.

Wie auch zuvor mitgeteilt, beschloß die Regierung, Familien der Soldaten, Künstler in bestimmten Zahlen, protestantische und katholische Armenier, nicht umzusiedeln. Gegen diejenigen, die armenische Kolonnen angreifen oder gegen Gendarmen und Beamten, die bei möglichen Angriffen eine anführende Rolle spielen sollten, müssen sehr harte gesetzliche Maßnahmen getroffen werden. Solche Personen müssen sofort aus dem offiziellen Dienst entlassen und zum Kriegsgericht ausgestellt werden. Bei einer Wiederholung solcher Vorfälle werden die Provinzen und Sandschaks zur Verantwortung gezogen"

In einer chiffrierten Botschaft, die am 27. Mai 1915 nach Ankara geschickt wurde, heißt es: "Die von der Regierung gegen die Armenier gefaßten Maßnahmen, stützen sich ausschließlich auf der Gewährleistung der Ruhe und Ordnung des Landes und sind zum Schutz des Staates getroffen worden. Ein Zeichen dafür, daß die Regierung keine Vernichtungspolitik gegen die Armenier betreibt ist, daß die katholischen und protestantischen Armenier, die bislang unparteiisch geblieben sind, von der Maßnahme ausgeschlossen sind."

Auf der anderen Seite wurden die Äußerungen über die Verbannung von anführenden Komiteemitgliedern und Reaktionären, in der Verordnung der Regierung an manchen Orten mißverstanden. So wurden armenische Banden in Orte verlegt, wo sie ihre Tätigkeiten leichter fortsetzen konnten. Darauf hin entsandte Talat Pasa am 1. Juni 1915 an alle Präfekturen eine Verordnung und befahl darin, solche Armenier in Orte zu verlegen, wo sie ihre Tätigkeiten nicht mehr fortsetzen können. Talat Pasa unterstrich ausdrücklich, daß die Verbannung nur für aufständische und reaktionäre Armenier gilt.

In einer chiffrierten Botschaft vom 13. Juni 1915 an die Provinz Mamuretülaziz wurde betont, daß neben den, dem Kriegsgericht ausgelieferten Armeniern, die umzusiedelnden Armenier an geeigneten Stellen der Provinz untergebracht werden sollen und ihre Verlegung nach Mousul zunächst nicht notwendig ist.

In einer chiffrierten Botschaft, die am 14. Juni 1915 an die Provinzen Erzurum, Diyarbekir, Mamuretülaziz und Bitlis entsandt wurde, wurden die Behörden aufgefordert, das Leben der Armenier während der Umsiedlung zu schützen. Die Behörden dürften gegen Flüchtige und Angreifer vorgehen. Doch das Volk dürfe keinesfalls in solche Vorfälle verwickelt werden. Es dürfe keineswegs zu einer Auseinandersetzung zwischen Armeniern und Moslems kommen.

Und zum Telegramm, das angeblich ein Massaker befohlen haben soll:

Der Armenier, Aram Andonian, veröffentliche 1920 in London das Buch unter dem Titel "Memoiren von Naim Bey / Offizielle türkische Dokumente über Zwangsumsiedlung und Massaker an Armeniern" worin er dieses Thema anschnitt. Dieses Buch erschien später in Paris unter dem Titel "Offizielle Dokumente über das Massaker an Armeniern" sowie in Boston unter dem Titel "Großes Verbrechen, das jüngste Massaker an Armeniern und Talat Pasa, originelle offizielle Telegramme mit Unterschriften."

Das in diesem Buch als Beweis gezeigtes, angebliches Telegramm von Talat Pasa ist ein gefälschtes Papier. Nach Untersuchungen bewiesen Sinasi Orel und Süreyya Yuca, daß es sich bei diesem Telegramm um ein gefälschtes Dokument handelt. So stellte sich heraus, "daß es eine Person mit dem Naim Bey, von dem die Dokumente erhalten worden seien, niemals im Wohnungsamt in Aleppo gegeben hat. Daß die Dokumente authentisch und das Papier nicht aus der gleichen Art der Papiere war, welche der osmanische Staat bei den offiziellen Schreiben benutzte.

Daß es die Originalen dieser Dokumente unter den Dokumenten des Innenministeriums im Archiv des Ministerpräsidiums gar nicht gibt. Daß unter den angegebenen Registernummern der gefälschten Dokumente, ganz andere Dokumente vorhanden sind. Daß bei Zeitrechnungen nach Hedschra und nach dem christlichen Kalender Fehler gemacht worden sind. Daß die Unterschriften gefälscht sind. Und daß es in den Dokumenten Rechtsschreibfehler gibt, die im Osmanischen niemals vorkommen können".

Ungeachtet der Behauptungen, wonach sich "die angegebenen originaldokumente im armenischen Büro in Manchester befinden", hat man bislang diese Dokumente nicht der Weltöffentlichkeit gezeigt. Außerdem stützen sich die Behauptungen auf "einen Bericht des armenischen Verbands in Aleppo aus der osmanischen Zeit." All dies ist wichtig um zu zeigen, in welchen Massen die Behauptungen über Völkermord an Armeniern unwahr sind.

QUELLE: Halaçoglu, Prof. Dr. Yusuf, Ermeni Tehcirine Dair Gerçekler (1915), TTK Veröffentlichung, Ankara, 2001.

FUSSNOTE 1) DH. EUM. 2. Abteilung, 68/80. 2) DH. EUM. 2. Abteilung, 68/71. 2.Sube, 68/84 ( siehe Dokument 192, 200) 3) DH. EUM. 2. Abteilung, 68/101. ( siehe Dokument 217) 4) 26.064 Armenier in Aleppo, dessen Umsiedlung vorgesehen war, wurden nicht umgesiedelt. Denn die Armenier in den neuen Siedlungsgebieten stammen aus Anatolien. Auf der anderen Seite wurde die Zahl nach Aleppo umgesiedelten Armenier als um die 100.000 angegeben (siehe DH.EUM. 2. Abteilung, 68/80), dagegen genau als 100.000 registriert. 5) OREL, Sinasi, Yuca SÜREYYA, Ermenilerce Talat Pasa'ya Atfedilen Telgrafin Gerçek Yüzü, TTK Veröffentlichung, Ankara, 1983