Verluste der Armenier

 

Die Zahl der umgesiedelten Bevölkerung beträgt 438.758. Die Zahl der Bevölkerung, die die neuen Siedlungsgebiete erreichte, liegt dagegen bei 382.148, einschließlich der Armenier in Aleppo. Zwischen beiden Zahlen besteht ein Unterschied in Höhe von 56.610.

Dieser Unterschied von 56.610 Personen, trat nach Dokumenten wie folgend auf. 500 Menschen wurden zwischen Erzurum und Erzincan, 2.000 in Meskene, zwischen Urfa und Aleppo, 2.000 Personen nahe Mardin bei Angriffen der Banditen und arabischen Stämme getötet. Rund 5.000, oder etwas mehr Menschen wurden bei Angriffen im Dersim Gebiet getötet. Im Rahmen dieser Informationen wurden während der Umsiedlung 9 bis 10.000 Menschen getötet. Aus Dokumenten ist ferner zu entnehmen, daß manche verhungert sind. Außerdem kamen 25 bis 30.000 Menschen wegen Epidemien wie Typhus oder Dysenterie sowie klimatischer Bedingungen ums Leben.  Rund 40.000 Menschen starben aus diesen Gründen.

Der Rest von 10 bis 16.000 Personen konnte das Endziel nicht erreichen, da sie nach der Einstellung der Umsiedlung in den Provinzen aufgehalten wurden, in denen sie sich zu diesem Zeitpunkt befanden. Zum Beispiel wurde am 26. April 1916 an die Präfektur von Konya ein Schreiben entsandt, worin die Ansiedlung der Armenier in diesem Gebiet angeordnet wurde, welche sich noch auf dem Weg befanden. Außerdem wurde vermutlich ein Teil der Armenier während der Umsiedlung nach Russland, in westliche Staaten und nach Amerika entführt.

Einträge belegen, dass 50.000 Armenier aus der osmanischen Armee während der Umsiedlung zu der russischen Armee übergegangen sind. 50.000 Armenier seien drei bis vier Jahre in der amerikanischen Armee für den Kampf gegen die Türken ausgebildet worden. Ein Schreiben des in Amerika lebenden Armeniers an den Anwalt Murad Muradyan in Elazig umfasst diese Informationen . Im Schreiben heißt es, ein Teil der Armenier sei nach Russland und Amerika entführt worden.

Die in Amerika ausgebildeten 50.000 Soldaten würden in Richtung Kaukasien starten. Wie aus all diesen Dokumenten und Informationen zu entnehmen ist, reisten mehrere armenische Staatsbürger des Osmanischen Reiches, vor dem Krieg oder während des Krieges nach Amerika, Russland und in andere Länder. Der armenische Geschäftsmann Artin Hotomyan teilte in seinem Schreiben vom 19. Januar 1915 aus Amerika an das osmanische Polizeipräsidium mit, das mehrere tausend Armenier nach Amerika verschleppt worden sind, die in Armut und Hunger lebten.

Diese Informationen zeigen, dass die Zahl der in verschiedenen Teilen des osmanischen Reiches lebenden Armenier, mit der Zahl der Armenier in den neuen Siedlungsgebieten übereinstimmt und daß es während der Führung und Ansiedlung zu keinem Massaker gekommen ist.

QUELLE: Halaçoglu, Prof. Dr. Yusuf, Ermeni Tehcirine Dair Gerçekler (1915), TTK Veröffentlichung, Ankara, 2001.

FUSSNOTE 1) Obwohl über die Zahl der Umgesiedelten und die Zahl der in den neuen Gebieten angekommenen Armenier genaue Zahlen in den Dokumenten angegeben worden sind, gibt es auch Orte, wo keine genauen Zahlen angegeben sind. Aus diesem Grund gilt für die Zahl ein +/- von 10 Prozent. 2) Zum Beispiel wurden die Verwaltungen in Trabzon, Erzurum, Sivas, Diyarbakir, Mamuretülaziz, Bitlis, Maras und Canik am 26. Juli 1915 in einem chiffrierten Telegramm aufgefordert, die Zahl der seit Ausbruch des Krieges wegen Krankheiten und Aufständen ums Leben gekommenen Armenier anzugeben. (Sifre kalemi. , nr. 54- A 7 112 ). Außerdem waren unter den armenischen Siedlern in Eregli und Mousul Seuchen wie Typhus, Dysenterie und Malaria weit verbreitet. ( Telegramm an die Provinz Konya vom 8. Juli 1915, Sifre kalemi. , nr. 57/337 ; an die Verwaltung in Zor vom 3. Februar 1916, SFR., nr. 60/219). 3) SFR., nr. 57/110. 4) Siehe DH. EUM. 2. Sube, nr. 68/81; siehe auch SFR., nr. 57/51. 5) SFR., nr. 63/119. 6) DH. EUM. 2. Sube, nr. 2F/14. 7) siehe DH. EUM. 2. Sube, nr. 2F/94.